Wie und was schreiben, dichten andere?

Das Lyrik-Lab will auch zeigen, wie und womit es als Produktionsstätte frischer Lyrik arbeitet. Wenigstens einen Titel der von uns zu Rate gezogenen Literatur stellen wir deshalb für jede neue Jahreszeit in der folgenden Liste vor. Dabei verpflichten wir uns nur der Aktualität des Themas, nicht des Publikationsdatums.

Gebrauchs-Hinweise: Zitate werden entsprechend der uns vorliegenden Exemplare wiedergegeben, Seitenwechsel werden mit einem senkrechten Trennstrich angezeigt, Seitenangaben hinter Zitaten beziehen sich auf das jeweils zu Rate gezogene, im Lyrik-Labor Ruhrgebiet  vorliegende Exemplar. Besondere Sorgfalt wird auf die Wiedergabe der Schreibweise  gelegt, Tippfehler können dennoch nicht grundsätzlich ausgeschlossen werden.

Das (C) Copyright zu allen Texten verbleibt bei den jeweiligen Rechteinhabern.

 

Lyrik des August 2017

 

 

Lyrik des Juli 2017

Etwas schräge Reime, Melodie und Rhythmus richten es jedoch auf ihre Weise, das sind die musikalisch gestalteten lyrischen Werke von Judith Holofernes.

Glücklicherweise liegen den CDs Booklets bei, insofern handelt es sich garantiert auch um Literatur. Doch die Grenzen zwischen Vortrag (Audio) und Niederschlag (Litera) verschwindet ja nicht nur dank des Nobel-Komitees und seiner Wahl von Bob Dylan zum literarischen Nobelpreisträger.

In der Intensivlyrik haben wir uns anhand Nicanor Parras What is poetry? intensiv mit Poesie und Rhythmus beschäftigt, Judith Holofernes zeigt in vielen ihrer Stücke der nebenstehend abgebildeten CDs, dass sie ihre Reime an viele Stellen durch Rhythmus und Melodie klar ziehen kann, oder vielleicht anders herum?

Wer eine Kostprobe davon erleben möchte, höre beispielsweise Pechmarie auf: Ein leichtes Schwert mit dem Refrain:

“Ich weiß, du hast Angst
aber ich weiß, was du kannst
und ich will, dass du tanzt
nimm meine Hand

Ich weiß, du hast Angst
aber ich weiß, was du kannst
und dass sich sowas vertanzt
komm zieh dich an”

Der Holper des “aber” ändert sich bei den zweiten beiden Refrains in “und”. Und wer will, kann hier Kunst erkennen, die von Können kommt.
 

Ein leichtes Spiel und Ich bin das Chaos von Judith Holofernes, 2014 und 2017

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Buch des Juni 2017

Für mich eine lyrische Neuentdeckung einer jüngeren Autorin mit multikulturellem Hintergrund, Safie Can.

“Löse dich

Löse dich vom Raumzeitgefühl, die
Spinne webt uns einen Traumfänger, an
Warmwettertagen sag Berlin, sag Köln
sag Jena, belebe das Papier, du trägst
die Wolke über dem Kopf, ich sonne
mich in des Messers Schneide, die
Romanidee trägt man im Bauch, im
Herzen die Gedichte, löse dich vom
Raumzeitgefühl, lerne das, es heißt
Verlag, aber nicht Verläger und nach
einem Schlusspunkt kommt niemals
nie kommt da ein Komma.,”~

Schlusspunkt - Komma und dann ., so ein schönes doppeltes Lottchen :-), sich in Beschreibung und Darstellung widersprechend; und wer wie Frau Can den Unterschied zwischen Romanen und Gedichten so schön umschreibt, weiß auch was Nizanor Parra zu “Poetry” treibt.

 

Kinder der verlorenen Gesellschaft, von Safie Can Göttingen, 2017, ISBN: 978-3-8353-3048-1

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Buch des Oktober 2014

Stadtlandfluss ist ein Genuss,
eine Rezension aus aktuellem Anlass

Die Kulturstiftung Nordrhein-Westfalen veranlasste jüngst, zu ihrem 25jährigen Bestehen, die Herausgabe einer Lyrikanthologie. Darin werden 111 Dichterinnen und Dichter, die einen Bezug zu Nordrhein-Westfalen haben, mit jeweils drei Gedichten präsentiert. Voraussetzung war, sie haben in den letzten 25 Jahren wenigstens ein Gedichtbändchen veröffentlicht. Lange verstorbene LyrikerInnen wie Heinrich Heine oder Anette von Droste-Hülshoff hatten also nicht einmal die Chance, in die Auswahl zu dieser Lyrikanthologie aufgenommen zu werden. Zur Erinnerung, Nordrhein-Westfalen gibt es erst seit 1946 (mit Lippe seit 1947)!
Die ausgewählten Autorinnen und Autoren werden in Stadtlandfluss in alphabetischer Reihenfolge und so in gewisser Weise mit einem Zufallsmerkmal als Ordnungskriterium präsentiert. Wer sich darauf einlässt, hat deshalb eine relaiv große Chance auf Überraschungen.
Schon im Vorwort schreiben die Herausgeber, “Nirgends sonst werden die Risse, die durch Landschaften, die auch Landschaften der Seele sind, gehen, so deutlich wie in der Lyrik. Dass die Literatur in diesem verwegenen, bevölkerungsstärksten Bundesland mit unterschiedlichen persönlichen Visionen, Träumen, Ängsten, Religionszugehörigkeiten und politischen Utopien ihrer Bürger eine besondere Rolle einnimmt, versteht sich von selbst.”
Es versteht sich besser, durch konkrete Beschäftigung mit dieser Literatur.

Schon der erste Dichter, Khalid Al-Masly, zeitweise in Köln wohnend, dürfte für viele in die Kategorie Überraschung gehören. Insofern wollen wir hier nicht zu viel vorwegnehmen, sondern neugierig darauf machen, sich auf die lyrische Vielfalt Nordrhein-Westfalens einzulassen; oder um Auszüge aus dem auf Seite 211 abgedruckten Gedicht „wo entlang“ von Sibylle Klefinghaus zu verwenden, „wir verbrauchen viel schatten … alles glänzt außer reichweite und da müssen wir hin“.

Viel Vergnügen

 

Stadtandfluss. 111 Dichterinnen und Dichter aus Nordrhein-Westfalen. Eine Lyrikanthologie. Heruasgegeben von Jürgen Nendza und Hajo Steinert im Auftrag der Kunststiftung NRW. Mit einem Nachwort von Ulla Hahn, Düsseldorf, 2014, ISBN: 978-3-940357-46-5

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Buch des August 2014

Afrika, weit entfernt

und so groß, dass ein Sammelbegriff nur ungefähr wiedergibt, was wohl gemeint ist. Daraus und deshalb erwachsen ungeheuer vielfältige Vorstellungen, Sehnsüchte und Wünsche mehr oder weniger unkundiger Europäer zu Afrika.
Meistens sind es Elends- und Schreckensmeldungen, die uns aus Afrika erreichen. Seien es Kriege, Hungersnöte oder Krankheiten, dem medialen Fokus auf solche jeweils aktuellen Themen werden grandiose Natur- und Reise-Dokumentationen ergänzend hinzugefügt und „Fertig“.
Hinzu kommt in den letzten Jahren das Elend afrikanischer Flüchtlinge an den süd- und südwesteuropäischen Grenzen. Darüber hinaus kennt die eine oder der andere auch noch irgendein afrikanisches „Urlaubsland“ und hat dort sogar Aufführungen traditioneller Kultur erlebt.
Doch es gibt auch ein Afrika, das westliche Kultur inspiriert und begeistert, worunter insbesondere Musik und Tanz fallen. Vor hundert Jahren beschäftigten sich viele europäische Künstler mit 'primitiver' Kunst und entdeckten, dass ihr Ringen um Ursprünglichkeit sich auch dort schon findet und scheinbar einfach einen kunstvollen Ausdruck findet, der sich für kultiviert haltenden Europäern häufig so schwer fällt, weshalb der Ausdruck 'primitiv' nur die Primitivität des eigenen Verständnisses, der eigenen Betrachtungs- und Herangehensweise bezeichne.

Vor diesem Hintergrund harrt die afrikanische Lyrik noch ihrer Entdeckung durch Europa, durch Deutschland. Denn von den geschätzt 2.000 afrikanischen Sprachen verfügen viele (noch) über keine Schriftform. Welche Ursprünglichkeit daraus spricht, lässt sich hier nur vermuten.
Denn EuropäerInnen dürfte bisher hauptsächlich verschriftete afrikanische Lyrik begegnet sein. Dies dazu meistens wohl noch in den Formen der ehemaligen Kolonialsprachen.
Doch selbst in diesem Bereich, verschriftete, ehemalige Kolonialsprachen, gibt es viel zu entdecken. Und dabei hilft das Bändchen afrikanischer Liebeslyrik, des Wuppertaler Peter Hammer-Verlags mit über 100 Liebesgedichten von XY afrikanischen AutorInnen aus gut 50 Jahren.

Das Thema Liebe, auf welches sich das Bändchen, wohl mit Rücksicht auf Europäer, fokussiert, sollte allen Menschen in irgendeiner Form geläufig sein. Gleichwohl lernt Liebe aus der Schilderung anderer, denn sie will erreichen, nicht besitzen, berühren, nicht stibitzen. Und was uns Afrika in Liebesangelegenheiten mitzuteilen in der Lage ist, bereichert fühlende Herzen mit ungewohnten Liebeswelten. N. X. Ebony (Elfenbeinküste) liefert beispielsweise mit „Verliebt in einen Stuhl“ ein interessantes Beispiel, welches Liebe als Objektwahl thematisiert und gleichzeitig zeigt, wie schwierig und, in psychoanalytischer Sicht einsam, diese besondere Art von Objektwahl sein kann; denn: „Die Liebe will das es geschieht“; um am Ende seines Gedichtes zu formulieren: „Doch ist die Liebe kein Geschenk | Das uns den Himmel auf die Erde holt“.

Klar, solche Erfahrungen haben wir vermutlich alle schon gemacht; doch schenkt uns dieses, ebenso wie die anderen in dem Bändchen abgedruckten Gedichte, außergewöhnliche Einsichten zur Liebe; ihr poetischer Ausdruck vermittelt uns selbst in der übersetzten Form ästhetische und kognitive Gewinne und öffnet uns fremde kulturelle Horizonte; ohne dabei auf ein weltweit verständliches Thema, die Liebe, zu verzichten.

Die facettenreiche und anregende Präsentation des Themas mit Liebesgedichten aus völlig anderen Kulturen war für uns an vielen Stellen sehr erhellend und neue Blickwinkel eröffnend. Es git zu dem Band mittlerweile eine CD mit ausgewählten und musikalisch begleiteten Gedichten, was darüber hinaus einen besonderen Reiz hat, den wir hier gerne erwähnen.
 

Antilopenmond. Liebesgedichte aus Afrika, hg. v. Peter Ripken und Véronique Tadjo, Wuppertal 2002, ISBN: 3-87294-915-2
Dazu eine gleichnamige Audio-CD mit ausgewählten Gedichten aus dem Buch, 2007, ISBN: 978-3-88698

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Buch des Juni 2014

Was hat es mit der Dichtung philosophisch auf sich? Was mit der Philosophie poetisch?

George Steiner, Verfasser von Texten wie “Grammatik der Schöpfung” und “Warum Denken traurig macht”, beschäftigt sich im vorliegenden Buch in anregender Weise mit dem Verhältnis zwischen Poesie und Philosophie.
Beiden eigne in besonderer Weise Sprache; verwandtschaftliche Verhältnisse wären nicht auszuschließen, lägen sogar nahe. Zumal sich in beiden Bereichen Stil substanzialisiere. Belegt werden die Gemeinsamkeiten insbesondere aus den griechischen Anfängen heraus.-
Zumindest die deutsche Übersetzung ist Durs Grünbein als „Dichter & Cartesianer“ gewidmet. Grünbeins Aussage; „Gegenüber den Dichtern stehen die Philosophen unglaublich gut angezogen da. Dabei sind sie nackt, wenn man bedenkt, mit welch dürftiger Bildsprache sie die meiste Zeit auskommen müssen.“ ist dem Buch als fünftes und letztes Motto vorangestellt.

Steiner ist Literaturwissenschaftler, also von Berufs wegen weder Philosoph noch Poet. Doch spätestens seit seiner Grammatik der Schöpfung, [Originaltitel: Grammars of Creation, (2001)] dürfte er als Philosoph wie als Poet respektiert sein.
Vorliegendes Werk schreibt er anlässlich seiner Frage, ob es eine Lyrik, eine Musik des Denkens gebe, die tiefer gehen kann als jenes Denken, welches sich an Äußerlichkeiten von Sprache und Stil bindet? [13]
Es wäre voreilig, schon hier bejahend einzuschreiten und Liebe als Lösung anzuführen, denn Liebe will gewonnen werden, nicht schnell erlegt. Doch was wäre länger Aufgabe der Poesie als jenes? Klar, dass die Philosophie so ins Hintertreffen gerät.

Womit beginnt denn die europäische Philosophie des 20. Jahrhunderts? –  Na, mit Platon.
Und die des 21. Jahrhunderts? –  Na, mit Platon.

Womit beginnt dagegen die Poesie des 20. oder 21. Jahrhunderts?  –  Nun, das ist so einheitlich gar nicht zu beantworten. Teilweise sicherlich immer noch mit Platon, aber auch mit Planck, Einstein und Freud, wie beispielsweise Gottfried Benns “Verlorenes Ich”, die vermeintlich gewisse Warte der ersten Person, von der aus Descartes seinen Rationalismus entwarf. 
Steiner arbeitet sich eher an den philosophischen Aspekten ab und hofft am Schluss seines Buches, zugebend, nur Oberflächen angekratzt zu haben, dass irgendwo ein rebellischer Sänger oder vor Einsamkeit trunkener Philosoph das Verhältnis zwischen Philosophie und Poetik mit einer Zaubersilbe, „erfüllt vom Versprechen der Schöpfung“, rettet. [293]

Steiner ‘besucht’ in seinem Buch viele Philosophen und Schriftsteller und ihre Werke und zeigt uns, wie häufig Philosophie und Poesie einander begegnen, ja, berühren, stilbildend befruchten. Das ihm daraus vor allem anregende Erläuterungen erwachsen, macht die Lektüre gleichwohl spannend. Manches, was uns unzulänglich erscheint, mag auch der Übertragung aus dem Englischen ins Deutsche geschuldet sein.
Andererseits, die Feier ehemaliger Berührungstexte zwischen Poesie und Philosophie ist verdienstvoll, doch vermissen wir aufscheinende Lösungsansätze; zumindest wenn denn der Aufruf zur Wiederbelebung des Vergangenen uns heute nicht wirklich hilft. Vorgefertigte Rezepte werden uns dankenswerter Weise ebenfalls erspart. Zentral bleiben so anregende Frage- und Problemstellungen die auf Neues gespannt machen.

Frei nach Erich Fried glauben wir, 'Wer will, dass die Poesie so bleibt wie sie ist, der will nicht das sie bleibt'*. Damit hängt zusammen, dass auch ihr Verhältnis zur Philosophie platonischer Provenienz nicht bleiben oder auch nur guten Wissens und Gewissens wieder werden kann wie es war.
Wir sind der Auffassung, heutige Poesie hat immer noch häufig Bezüge zur Philosophie, insbesondere im Lyrik-Lab. Auf der Intensivlyrik wird anhand Nicanor Parras “What is poetry?” sogar ihr Verhältnis zur Musik in den Fokus gestellt. Im Lyrik-Lab wird auf topologische Eigenschaften wie Orientierbarkeit hingewiesen.  Zu entdecken gibt es immer wieder etwas.
Wir meinen, Lösungen sollten selbst, wenn auch nicht unbedingt allein, erarbeitet werden. Denn in vielen Fällen gilt das Foerstersche Theorem.

Sein Befund für unsere Zivilisation: „Die Entmenschlichung der Sprache, ihr Verfall zu ideologischer Hysterie, Lüge und Gebrüll, war am offensichtlichsten in Nazi-Deutschland und ist eingehend untersucht worden, ebenso die Schlachthausrhetorik von Faschismus und Stalinismus. Aber das Phänomen ist viel umfassender. Der augenscheinliche Triumph des unternehmerischen Liberalismus, die Gleichsetzung des menschlichen Fortschritts, der menschlichen Exzellenz mit materieller Anhäufung, die praktische Allmacht der Massenmedien brach-|  ten Verrohung und Verlogenheit in Wort und Syntax mit sich, eine 'Amerikanisierung' des Diskurses (wobei dieses Epitheton selbst ein verleumderisches Kürzel sein mag). ... Eine Schatzkammer an Worten, aus der Shakespeare, Milton oder Joyce sich tausendfach bedienten, hat sich gemäß einer statistischen Erhebung von Telefongesprächen und E-Mails eines Durchschnittstages in Nordamerika auf ca. fünfundsechzig Wörter reduziert. Keine Werbung geht das Risiko eines Nebensatzes ein. Konjunktive, Hoffnungsträger und Vermittler alternativer Lebensentwürfe, verschwinden mehr und mehr, selbst aus dem Französischen, das einst seine stolze Heimat war.
Gewiß, neue Begriffe entstehen. Gewiß, bestimmte Formen und Techniken der Massenunterhaltung wie etwa der Rock 'n' Roll oder der Rap können voll sprühenden Wortwitzes sein. Aber die Säuberungen einer Technokratie, die dem Konsumwahn verfallen ist (siehe China), sind global. Der tägliche Diskurs unzähliger Männer und Frauen, der Jungen, das betäubende Geplapper der Medien ist minimalistischer Jargon. Alles, was ich hier zu sagen versuche, ist bündiger ausgedrückt in Celans Forderung nach einer 'Sprache nördlich der Zukunft'. Obwohl er selbst, der die Sprache exakt an den Rand des Unsagbaren nötigte, das Empfinden hatte, es möchte schon zu spät sein. Sprache, der Logos waren zu Prosa verkommen, diese wiederum zu Gerede verwest.“
267 | 268 scheint niederschmetternd. Doch gäbe es einen Vergleich mit dem alltäglich benutzten Griechisch zu Platons Zeiten, so vermuten wir dass die heutigen Nordamerikaner schon ein, zwei Worte mehr benutzen als seinerzeit Platons Zeitgenossen. Lief doch schon Diogenes am hellichten Tag mit einer brennenden Laterne über den Marktplatz, Menschen suchend.

Steiners Hoffnung auf die rettende Silbe ist also einerseits berechtigt, „aber sprich nur ein Wort, so wird meine Seele gesund“ oder „dann fliegt vor einem geheimen Wort das ganze verkehrte Wesen fort“  erfüllt sich andererseits, Worte gebend, teilweise auch selbst.

[Alternativ könnten wir uns auch auf John Cage beziehen:
“Ich habe nichts zu sagen - und ich sage es - und das ist Poesie - wie ich sie brauche -.- Dieses Stück Zeit - ist gegliedert. - Wir brauchen nicht diese  Stille zu fürchten.-
wir könnten sie lieben .-”
aus ders., Silence, Frankfurt/M., 1995, 7]

Steiners berechtigten Hoffnung stimmen wir mit Gottfried Benns Gedicht “Kommt -”  zu und halten das Fazit des Hohen Lieds der Liebe für gültig: „Nun aber bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; aber die Liebe ist die größte unter ihnen“. (1. Kor. 13,13) Und dafür ist Gespräch unentbehrlich.

Wenn wir auch den wichtigsten Bezug der Poesie in ihrer Beziehung zur Liebe sehen, aufgrund der Liebe zur Weisheit halten wir George Steiners “Gedanken dichten” ebenfalls für lesenswert und sicherlich hat sein vorliegendes Werk ‘Stil’.
Norbert Stenkamp

* Fried, Erich, Status quo, in: Gedichte, München, 2012, 87

George Steiner:
Gedanken dichten - Essay
Aus dem Englischen von Nicolaus Bornhorn (Originaltitel: The Poetry of Thought, 2011)
Frankfurt/M., 2011
ISBN: 978-3-518-42261-8

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Inhalt
Vorwort 9
1; 16
2; 27
3; 65
4; 86
5; 102
6; 158
7; 210
8; 261
9; 288
Anmerkungen des Übersetzers; 294

 


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